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Salam aleikum
Auf der Reise Richtung Saudi-Arabien tanken wir ein letztes Mal in den Emiraten und füllen unsere Vorratskiste im angegliederten Supermarkt. Ein Einheimischer in traditionellem Kleid kommt mit einer Auswahl Sandwichs an die Kasse und lässt sich vom Inder die Beschriftungen ins Arabische übersetzten. Erst jetzt realisieren wir, dass die Landessprache gar nicht verwendet wird und alles ausschließlich auf Englisch angeschrieben ist. Und staunen ein weiteres mal über die Toleranz dieser Gesellschaft!
Da in jedem der Emirate andere Vorschriften gelten, stellt uns die Ausreise am frühen Morgen vor die erste Herausforderung: Nachdem es bei der Einreise unmöglich war eine Versicherung fürs Auto zu bekommen, ist diese nun bei der Ausreise plötzlich besonders wichtig. Nach einiger Überzeugungsarbeit glaubt der Zollbeamte jedoch an die Gültigkeit der Omani-Versicherung für die UAE und der Einreise nach Saudi-Arabien steht nichts mehr im Wege.
Für die 1800 km lange Strecke durch Saudi-Arabien besitzen wir nur ein 3-Tages Transitvisum. Wir versuchen deshalb gleich zu beginn möglichst viele Kilometer zu „fressen". Im Auto wird es am ersten Tag unerträglich heiß und mit dem Ansteigen des Thermometers (bis 46°C) steigt auch der Flüssigkeitsverbrauch. Wir machen nur kurze Tank und Pinkel-Stops und haben Glück, dass wir nicht lange warten müssen: Eine Minute nachdem unser Tank gefüllt wurde, schließt die Tankstelle für das Mittagsgebet. In den Ortschaften wundern wir uns über ferngesteuerte Autos die im Schritttempo zickzack über die Dorfstrasse kurven. Erst beim Überholen entdecken wir die kleinen Knirpse hinterm Steuer. Sie müssen stehen um mindestens einen kleinen Ausschnitt der Strasse zu sehen – eine Folge des absoluten Fahrverbots für Frauen in diesem extrem „islamischen" Land.
Am Abend des zweiten Tages erreichen wir müde die jordanische Grenze und genießen die angenehm frische Nacht auf dem Hochplateau südöstlich von Amman. Die nächste Woche verbringen wir lesend, essend, quasselnd und trinkend in Aqaba am Roten Meer und freuen uns über das Widersehen mit den Schweizern Manuela und René, welche wir in Muskat kennen gelernt haben. Das Schnorcheln bei den farbigen Korallenriffen beschränkt sich auf ein Minimum da die Jordanier am liebsten dem gemeinsamen Hobby „starren" frönen. Das Bild der westlichen Frau wird hier zusätzlich durch Touristinnen aus Osteuropa verzerrt, welche im String-Höschen am Strand spazieren. Einheimische Frauen sind nur selten anzutreffen und dürfen sich auf keinen Fall mit fremden Männern unterhalten. Falls ihr Ehemann (per Handy) die Erlaubnis erteilt, dürfen sie das Haus höchstens kurz verlassen um (gut verpackt) einzukaufen.
Der Luxus-Kulturtourismus (mit 5* Hotels neben Zelten) hat in diesem Beduinenland einiges zerstört. Die Regierung geht mit gutem Vorbild voraus und stellt bei jedem etwas schöneren Gebiet ein Tor mit Kassenhäuschen auf um (relativ zum Lohnniveau) kräftig abzusahnen. Das „double pricing" gehört zum Standard und wird auch gerne von einfachen Ladenbesitzern ins Repertoire aufgenommen.
Im Wüstengebiet um Wadi Rum unternehmen wir mit vier Israelis eine Tour durch bizarre Sand- und Gesteinsformationen und staunen über die Brückenbaukunst der Wüstenwinde. Nachdem sich das Abendessen nach kurzem Aufenthalt wieder von Anouks Magen verabschiedet, legen wir eine Pause ein und verbringen 3 Vollmondnächte unter dem klaren Wüstenhimmel. Nach einem Besuch von Petras überlaufenen „Indiana Jones"-Ruinen fahren wir über den Kings Highway ans Tote Meer. Zu Fuß erkunden wir ein enges Wadi und finden nach einigen Kletterpartien einen heißen Wasserfall, welcher aus dem Felsen schießt. Am nächsten Morgen baden wir am menschenleeren Strand gleich neben der Mündung des Rinnsals im Toten Meer. Wie Stücke aus Kork treiben wir auf dieser Salzpfütze am tiefstgelegenen Ort der Erdoberfläche.
Kurz nach dem Passieren der syrischen Grenze fahren wir etwas abseits der Strasse und werden äußerst unfreundlich empfangen: Zwei junge Beduinen wollen uns Kamera und Uhr rauben und bedrohen uns mit Stock und Steinen. Auf der raschen Flucht treffen einige Steine das Fahrzeug, es geht jedoch nichts zu Bruch. Mit Herzklopfen erreichen wir das nächste Dorf, wo wir der Polizei anhand eines Fotos, den Vorfall erklären. Es folgt viel Kaffee, tausend Entschuldigungen und noch mehr Kaffee und Zigaretten. Bald wird der alte Vater des Übeltäters aufs Revier geschleppt und wir dürfen nach alter Sitte Richter spielen: Verhaften? Verprügeln? Laufen lassen? Das Detail, dass nicht der Vater sondern sein Sohn uns bedrohte, scheint hier niemanden zu interessieren!
Am Abend fahren wir weiter ins Drusengebiet und stationieren uns vorsichtshalber in einer Siedlung. Nach einer halben Stunde hat uns der Englischlehrer Der Dorfschule entdeckt und möchte mit uns am Abend das Champions-League Spiel schauen, Tischtennis spielen, er möchte uns die Schule zeigen, mit uns essen, uns ins Haus einladen und seinen Schwestern vorstellen usw. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen, die Englischstunde in der Schule verschiebt er kurzerhand auf einen anderen Tag. Er klopft schon früh ans Autofenster und entschuldigt sich: Sein Vater sei sehr wütend, dass wir nicht bei ihnen übernachtet hätten und wir sollen doch bitte möglichst schnell zum Frühstück kommen! Später unternehmen wir mit ihm und seiner Schwester eine Tour rund um den Jebel Druse und staunen über eine ganz andere Seite dieses Landes: Wir begegnen Rennradfahrern in Vollmondtour, in den Dörfern sind massenhaft junge Frauen in knappen Kleidern unterwegs, einige sind sogar mit dem Fahrrad unterwegs! Eine äußerst entspannte Atmosphäre entsteht.
Bald sind wir in Damaskus und finden nach dem üblichen harten Kampf im Großstadtverkehr einen Parkplatz in der kleinen Gasse vor dem Hotel. In Damaskus bleiben wir einige Tage, genießen das leckere Essen, die Unterhaltung mit anderen Reisenden, die engen Gassen der Medina und den lebhaften Souk.
Auf dem Weg über die Berge nach Beirut machen wir halt beim Chateau Kefraya und lassen uns den leckeren libanesischen Wein schmecken. Im Bergdorf Mouctara lernen wir den 76 jährigen Josef kennen, welcher uns durch das imposante Anwesen des drusischen Präsidentschaftskandidaten Jumblatt führt. In Beiruts neuem „Altstadtviertel essen wir eine Pizza in einem der schicken Boulevards. In einem beeindruckenden Bauprojekt wird ein ganzer Stadtteil im Zentrum Beiruts von Grund auf neu erstellt. Nur einige „Erinnerungslöcher" in alten Gebäuden und die zahlreichen Kirchen und Moscheen (eine größer als die andere) erinnern an den langen Bürgerkrieg. Sonst fühlt man sich in Europa. Oder wie einige Libanesen sagen: „Plus francais que les Francais!"
Zum Skifahren sind wir einige Wochen zu spät. Die Bergkämme sind jedoch immer noch mit weißen Flecken übersäht und auch am Tage ist es in Kartaba angenehm kühl. Hier besuchen wir die Mexikaner Jonny, Sarah und Samia in ihrer Tankstelle. Das Widersehen ist herzlich und nach 4 Jahren gibt es jede Menge zu erzählen. Doch auch die anderen Dorfbewohner sind interessiert. Wir werden von Haus zu Haus weitergereicht, gut gemästet, reichlich beschenkt und kennen bald das halbe Dorf. Kartaba liegt in einem der saftigen, grünen Täler des libanesischen Gebirges, die Landschaft erinnert etwas ans Südtessin. Im (sehr) christlichen Dorf (7 Kirchen) ist der Wahlkampf (Neuwahlen nach Ermordung des Präsidenten) in vollem Gang und Politik ganz oben bei den Gesprächsthemen. Der Demokratiegrad der Wahl wird wegen den geltenden Wahlgesetzen kritisch, der Syrische Truppenabzug jedoch durchwegs positiv beurteilt. Syrien hat sich hier im christlichen Gebiet während der Besatzungs- resp. Schutztruppenzeit wenig Freunde gemacht und gemäß allgemeiner Meinung hauptsächlich Staatsgelder abgezweigt. Auch an den Abenden zu Hause bei Familie Ramirez wird lecker gespiesen und ausgiebig diskutiert. Nach zwei unvergesslichen Tagen verabschieden wir uns von neuen und alten Freunden und entspannen uns bei einer gemächlichen Fahrt über Bcharré und Tripoli nach Latakia in Syrien. Wir verbringen einen Tag mit Père George welcher hier („grâce à dieu") für die maronitische (?) Kirche arbeitet. Er ist ein Mann aller Schwachen und Armen und unterstützt jeden kaugummiverkaufenden Straßenjungen in Sichtweite („il est pauvre!"). Auch beim Taubstummen im Restaurant kann er es nicht lassen und so bewacht nun (grâce à dieu) ein Plüschhund unseren Jossen. Nach vielen interessanten Stunden und einer vorgezogenen Geburtstagsfeier ziehen wir weiter über Apamea nach Homs, vorbei am Crac des Chevaliers in die Oasenstadt Palmyra wo wir uns im Camping mit Pool unter Dattelpalmen entspannen.
Danach zieht es uns endgültig nach Hause. Auch Aleppo mit seinem lebhaften Marktviertel kann uns nicht länger halten. Bald haben wir die Grenze zur Türkei überquert und fahren auf einer nigelnagelneuen Autobahn über prächtige „Viadügü" und durch gut belüftete „Tüneli" in den Westen. Die Fähre bringt uns direkt nach Ancona und von da ist es ja bekanntlich nur noch ein Katzensprung...
Wir haben noch keine Wohnung sind jedoch per mobile wieder erreichbar und freuen uns aufs Widersehen!
Bis demnächst Simon und Anouk
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